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Geschichtliches: Die Seitenkrankheit


Als "Seitenkrankheit" bezeichnete man im Mittelalter Blinddarmentzündungen oder Rippenfellentzündungen. Leider hatte man noch nicht die anatomischen und pathologischen Kentnisse, die man heute hat. Von daher war das früher ein Todesurteil. Wäre es heute auch, wenn wir nicht die diagnostischen Möglichkeiten und die operativen Fähigkeiten hätten. Am 6. Dezember 1735 wagte man die erste Blinddarmoperation an einem 11jährigen Jungen. Betäubt wurde er mit Opiumsaft. Claudius Amyand war der Operateur im Londoner St. Georges Hospital. Statt eines Leistenbruchs (daher Seitenkrankheit, man glaubte an einen Leistenbruch), fand der Operateur einen bereits durchlöcherten Appendix, der vereitert war und in dem eine Nadel steckte, die der Junge wohl verschluckt haben musste. Der Patient musste 4 Wochen im Krankenhaus und ging dann geheilt nach Hause. Ein Wunder für die damalige Zeit!

Wir sagen zwar fälschlicherweise "Blinddarmentzündung", tatsächlich entzündet ist aber ein Wurmfortsatz am Blinddarm, der Appendix. Diese gehört zu den lymphatischen Organen, wie auch z.B. die Rachenmandeln. Der Appendix hat die Aufgabe, den Darm vor Bakterien zu schützen und ist ein wichtiger Bestandteil der Immunabwehr.