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Thema: Das Jetzt


Heute möchte ich den Focus meiner Leser auf einen ganz wichtigen Aspekt legen: das Hier und Jetzt. Ich als Osteopathin erlebe täglich, wie zerfahren und nervös die Menschen in meine Praxis kommen. Wie schwer es dem Einzelnen fällt, sich auf seinen Atem zu konzentrieren und dem Gedankenkarussell keine Beachtung mehr zu schenken. Wie schwer es vielen Menschen fällt, sich selbst spüren zu lernen, statt sich ablenken zu lassen vom Lärm der Welt. Das alles führt dazu, daß man krank wird. Ich nenne es immer „Eigenpflege“, um gesund zu bleiben an Körper und Psyche: Jeden Tag 10-15 Minuten Zeit nehmen, sich hin setzen eine Kerze anzünden und den vollständigen Atem atmen: von den oberen zu den unteren Rippen bis in den Bauch und zurück. Durch die Nase, so daß der Bauch sich sanft wölbt und senkt. An nichts Anderes denken als an das Atmen. Das ist der erste Schritt. Darüberhinaus immer nur seine Aufmerksamkeit dem schenken, was man grade tut: wenn man spült, spült man, wenn man telefoniert tut man nur das, wenn man spazieren geht, die Aufmerksamkeit nur dem Spaziergang widmen, usw. Damit lernt man Achtsamkeit. Nur dann lebt man wirklich. Das Hier und Jetzt bietet uns an, mit allen Sinnen aufzunehmen und zu tragen was man sieht, hört und fühlt. Ist man nicht im Moment, lebt man entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Wenn man das tut, rauscht das Leben vorbei und man hat nichts wirklich erlebt. Es gibt dazu einen wunderschönen Text von Susanna Tamaro aus dem Buch „Geh wohin dein Herz dich trägt“: „Jemand-oder der Wind-wirft dich plötzlich in einen Fluß, und dank des Stoffes, aus dem du bestehst, schwimmst du, anstatt unterzugehen; schon das erscheint dir wie ein Sieg und sofort lässt du dich treiben, gleitest rasch in der Richtung dahin, in die der Strom dich trägt; ab und zu bist du wegen eines Wurzelknotens oder eines Steins zu einer Pause gezwungen, das Wasser zerrt eine Weile an dir, dann steigt es wieder und du befreist dich, schwimmst weiter; wenn der Fluß ruhig dahinfließt, schwimmst du oben, wenn Stromschnellen kommen, zieht es dich hinunter; du weißt nicht, wohin du unterwegs bist, und hast es dich auch nie gefragt; auf den ruhigeren Strecken kannst dud die Landschaft sehen, die Böschungen, die Sträucher; mehr denn Einzelheiten siehst du die Formen, die Art der Farben, du bist zu schnell, um noch mehr zu erkennen; dann, mit der Zeit und der wachsenden Entfernung, werden die Böschungen flacher, der Fluß breiter, er hat noch Ufer, aber nicht mehr lange. „Wohin kommen ich?“ fragst du dich daraufhin, und genau in dem Augenblick öffnet sich vor dir das Meer.“ Ich finde, es ist eine wunderbare Metapher über das Leben, das unbewußt gelebt wird, ohne zu reflektieren und Entscheidungen zu treffen….und ohne sich selbst zu spüren. Jeder hat jederzeit die Möglichkeit, das zu ändern…..mit Hilfe von Atmung, Yoga und Meditation zum Beispiel. Oder ein Spaziergang ALLEINE ohne Ablenkung wäre auch eine Möglichkeit.

Namasté, Eure Ingrid