Diverse Gift- und Rauschpflanzen gab es im Mittelalter bis heute: Eisenhut, Schierling, Herbstzeitlose und Oleander waren sehr beliebt. Auch Arsen wurde im Mittelalter gern verwendet, da man es gut heimlich unter das Essen mischen konnte. Es war eine perfekte Methode, da ein Nachweis noch nicht möglich war. Arsen war außerdem ein gängiges Mittel, es wurde verwendet zur Herstellung von Farben für Stoffe und Tapeten.
Kaiser, Hausfrauen und Spione töten gern mit Gift. Dieser Trend zeichnet sich bereits seit der Römerzeit ab.
Bis zur Entwicklung der modernen Toxikologie wirkte Gift im Verborgenen. Wahrscheinlich war der Verdacht, es sei zum Einsatz gekommen, gefährlicher als die Verabreichung selbst. So liest sich die römische Kaiserzeit als eine einzige Folge von Giftmorden. Schon die Frau des Augustus soll ihrem Mann mit Gift nach dem Leben getrachtet haben. Caligula, Claudius, Nero, Domitian, Commodus, Caracalla, die übel beleumundeten Kaiser mehr als die guten, töteten mit Gift. Deswegen hielten sie sich Vorkoster, die aber auch begehrte Helfer waren, wenn Usurpatoren dem Imperator nach dem Leben trachteten. Manchmal soll auch ein falsch bemessener Liebestrank zum Exitus geführt haben. Gifte sind unzuverlässige Werkzeuge.
In einer Welt, in der Opfer und Gebete, Quacksalber und Alchimisten oft bessere Heilchancen versprachen als Ärzte, konnte jeder Tod, der nicht eindeutig einer Ursache zugeordnet werden konnte, mit Gift in Verbindung gebracht werden. Mit dieser Frage wurden die Listen der Verdächtigen zusammengestellt, die in den Palästen chinesischer Kaiser, muslimischer Kalifen oder osmanischer Sultane leicht von erschreckender Länge sein konnten. Papst Alexander VI. und sein Borgia-Clan wurden zum Inbegriff toxischer Politik im Okzident.
Sicheren Boden betreten Toxikologen erst im 20. Jahrhundert. Der wissenschaftliche Fortschritt stellt eine Fülle neuer Killer bereit und zugleich die Mittel, sie zu entdecken. Dabei konnte die chemische Industrie völlig neue Verbrauchergruppen erschließen, etwa mit dem Pflanzenschutzmittel E 605, dem in den 50er-Jahren viele Ehemänner und nervende Liebhaber zum Opfer fielen.
Hier sind mittlerweile mehr Offizielle und Geheimdienste diejenigen, die auf Gifte zurückgreifen, da der „normale“ Mensch ja keinen Zugriff auf Thallium oder Pollonium hat. Gottseidank!